Ausführlicher Text
Virtuelles Institut für Planetenforschung, ein Anwendungsbeispiel virtueller Welten
von Rainer Kormann
Vor allem gilt, ohne das Verständnis komplexer Zusammenhänge ist ein Eingriff riskant und nicht selten kontraproduktiv. Dementsprechend sehen wir eine gründliche Untersuchung und Abstimmung der geplanten Handlungen als Vorbedingung. Das ist einer der Haupbestandteile des von uns entwickleten Projekts:
Die Vernetzung und Koordination global verteilter Forschungen unter einem gemeinsamen Ziel. Wir werden es das Virtual Institut for Planetary Research [VIPR] nennen.
Der Anfang
Wie alles begann…, wie es seinen Anfang nahm, und wie es sich im Laufe der Zeit veränderte, wuchs und zu dem wurde, was es heute ist. Wir sind noch lange nicht fertig mit unserem Projekt, aber das war auch nie das Ziel, konnte es gar nicht sein. Was wir getan haben, war einen Rahmen zu entwerfen, in dem sich unsere Idee entwickeln kann.
Wenn ich einen markanten Zeitpunkt nennen sollte, zu dem es begann, dann ist das ein Fernsehbericht, über Gletscher. Genauer gesagt, eine Reportage, über den weltweiten Rückgang der Gletscher. Und zwar nicht ein paar Meter pro Jahr, sondern 10, 20 oder mehr. So daß man davon ausgehen kann, daß in naher Zukunft sehr viele Gletscher nicht mehr da sein werden. Gut, Sie werden sagen: ‘Was kümmern mich die Gletscher?..’ - Antwort: ‘Das liegt an Ihnen’, aber dazu später mehr. Was mir dieser Fernsehbericht vor Augen führte, war, daß eine von mir bislang garantierte Rückzugsfläche, nicht mehr bewohnbar sein wird.
Lassen Sie mich weiter ausholen: Wir alle haben schon von der Klimaerwärmung gehört. Jedes Jahr ist ein wenig wärmer als das Jahr zuvor. Dieser nur scheinbar lansame Prozeß wird, weil er sich unserem alltäglichen Zeitbezügen entzieht, nur mittelbar wahrgenommen. Auf Grund ungesicherter wissentschaftlicher Nachweise, oder deren Unkenntnis, wird er von einer Vielzahl von Leuten nicht akzeptiert. Vielleicht zu Recht, vielleicht aber auch zu unrecht - wir wisssen es nicht! Gehen wir einen Moment davon aus, das die Klimaerwärmung eine Tatsache ist, ohne auf ihre Verursacher einzugehen.
Erwärmt sich das Klima weiter wie bisher, werden u. A. die Meeresspiegel steigen. Nicht viel, ein paar Meter - 1, 2, 10 oder mehr. Das kann man berechenen. Auf jeden Fall wird aber Land in den höheren Lagen übrig bleiben. Wenn die Küstenlinien also ins Landesinnere wandern, dann ziehen wir uns eben in die höher gelegenen Lagen zurück. Und dann dieser Gletscherbericht. Der davon berichtet, das Gletscher ein wesentlicher Faktor im Ökosystem der Berg- und umliegenden Landschaften sind. Alleine durch ihr Vorhandensein regulieren sie die Jahrestemperatur und das Wetter in den Bergregionen. Zusätzlich dienen sie als Niederschlagsrückhalt. Ohne sie kommt es in der Zukunft zu immer heftigeren Überschwemmungen. Da die Regen- und Schneefälle nicht mehr allmählich, sondern plötzlich ihren Weg in die umliegenden Landstriche finden. Nun sind wir schon im entfernteren Gletscherumfeld, bei den vom Tauwasser der Gletscher gespeisten Bäche. Ein wichtiges Element der Bergregion, von der anrainende Fauna und Flora abhängt. Und im weiter gedachten Rahmen, die von den Bächen gespeisten Flüsse, auch der Mensch. An den von den Gletschern gespeisten Flüsse liegen Städte, die das Flußwasser für die Stadtfunktionen wie z.B. Abwasser und Industrie benötigen.
Die Vegetation und Tierwelt der Berge ist ohne Gletscher ernsthaft bedroht, und bietet für den Menschen nicht den bislang sicher geglaubten Rückzugsraum. Im folgenden sind auch Städte und Dörfer bedroht, die in ihrem Funktionieren von den Flüssen abhängen. Wir könnten uns also einer Situation entgegen sehen, in der sich der Lebensraum für den Menschen von vielen Seiten verringert. Von der einen Seite durch steigende Meeresspiegel, in Richtung Kontinentinneres reduziert, von der entgegengesetzen durch kippende Ökosysteme in den Bergen und an den Flüssen.
Das hier skizzierte Szenario wird hoffentlich nicht eintreten. Allerdings darf nicht vergessen werden, das hier nur zwei Folgen der Klimaerwärmung berücksichtigt wurden. An der Erforschung der zukünftigen Entwicklung unter Einbezug möglichst vieler Faktoren wird weltweit intensiv gearbeitet.
Eine Aufgabe für Architekten
Warum machen sich Architekten darüber Gedanken? Das Berufsbild des Architekten ist, wie viele andere Berufe auch, im Wandel. Die Aufgabenfelder des Architekten haben sich im Laufe der Zeit stark erweitert. Traditionell hat der Architekt die Aufgabe, eine Ingenieursleistung unter baukünstlerischen Aspekten zu erbringen. Je nach Talent und Planungsrahmen ist der Entwurfschwerpunkt zu legen, und die Balance zu finden, zwischen Form und Funktion. In welcher Formensprache der Bau realisiert wird, hängt von den zu erfüllenden Funktionen, von den zur Verfügung stehenden Mitteln und von vielen weitern Faktoren ab, nicht zu vergessen vom Geschmack und der Kooperationsfähigkeit der Bauherrenschaft.
Schon lange wird das unmittelbare Umfeld und die nahe Zukunft des Planungsgebietes in die Entwurfsarbeit mit einbezogen. Doch immer häufiger wird ein immer größerer Bezugsrahmen in der Planung berücksichtigt, um die Lösung in einen übergeordneten Kontext zu integrieren. Das geht über die sinnvolle Anbindung an bestehende Verkehrsströme bis hin zu lokalen klimatischen Randbedingungen wie Sonneneinstrahlung, Regenfall, Grundwasserspiegel oder die Nähe zu Überschwemmungsgebieten.
Die Architektur in ihrer Funktion als raumbildende Disziplin, bedient in erster Linie das menschliche Bedürfnis nach einer vor Umwelteinflüssen schützenden Hülle. Darüber hinaus hat sie ist die unmittelbar lebensnotwendige Grundversorgung an Wasser, Licht und Luft sicherzustellen. Angeknüpft wird hier an die für gewöhnlich vorhandene Erschließung des Planungsgebietes.
Wenn wir nun zu dem eingangs skizzierten Szenario zurückkehren, und den zu berücksichtigenden örtlichen und zeitlichen Planungsrahmen weiter faßt, kommt man, bei konsequenter Verfolgung der beobachteten Parameter, zu dem Schluß, daß wir uns der vorausgesetzten o.g. Grundversorgung nicht sicher sein können. Die Frage ist nun, ob Architekten einen Ansatz finden können, um dieses global wirkende Problem zu lösen.
An diesem Punkt sei erwähnt, daß in der Folge die Bemühungen um die Bedürfnisse des Menschen zwar in den Vordergrund gestellt werden, wir uns aber der Tatsache sehr bewußt sind, daß der Mensch von der Natur, der Flora und Fauna, untrennbar ist. Wir werden zeigen werden, daß unsere Vorschläge auch den naturschützenden Aspekt, wo nötig, berücksichtigen, oft sogar als notwendige Bedingung in den Vordergrund stellen.
Der erste Schritt für war, unseren Vorstellungs- und Planungsrahmen auf globalen Maßstab auszudehnen. Wir begriffen den Planeten Erde zunehmend als Haus der Menschheit, als einen funktionalen Lebensraum, der uns vor dem Weltall schützt. Damit waren wir nicht mehr weit entfernt von der Betrachtung des Planeten Erde als ein Raumschiff, eine Ansicht, die wir mit berühmten Vordenkern wie Buckminster Fuller teilen. Wie Fuller bereits erkannte, müsste es möglich sein, eine richtigen Umgang mit dem Raumschiff Erde zu finden. Daß das berühmte, leider verlorene, Handbuch zur Bedienung des Raumschiffs Erde dringend nötig ist.
Ein neuer Planet, mehr als ein digitales Arkadien
Arkadien = Schauplatz glückseligen, idyllischen (Land)lebens [Duden, Band 5].
Unseren Plan, einen neuen Planeten zu konstruieren dient dazu, ein Modell für einen Lebens- und Kulturraum zu entwerfen. Eine Testumgebung für Gesellschafts- und Sozialmodelle. Ein Modell eines autarken Ökosystems, an dem wissenschaftliche Erkenntnisse abgeglichen und Zukunftsszenarien in einer computergestützten Simulation geprüft werden können. Die Naturwissenschaft hat bereits jetzt schon erstaunliche Forschungsergebnisse geliefert. Doch ist auch klar geworden, daß die Zusammenhänge der in der Natur beobachteten Prozesse auf komplexe Art zusammenhängen. Dabei musste festgestellt werden, daß ein unsensibler Eingriff in einen dieser Prozesse, der die von ihm flankierten Abläufe nicht mit berücksichtigt, selten den gewünschten Erfolg hatte. Oft ist zu beobachten, daß durch unabgestimmte Eingriffe ein langfristig größerer Schaden angerichtet wird.
Um in Zukunft derartige Fehlschläge zu vermeiden, und ein geplantes Vorgehen möglichst erfolgreich durchzuführen, ist es notwendig, die komplexen natürlichen Zusammenhänge näher zu erforschen. Daß diese Aufgabe nicht von einer einzelnen Forschergruppe geleistet werden kann, ist naheliegend. Zumal die voneinander isoliert betriebenen Bemühungen, die mangelhafte Verbreitung und der Schutz der Ergebnisse durch Lizensbestimmungen kontraproduktiv wirkt. Mehrfach wiederholt betriebene Forschung ist ineffektiv, dient höchstens der Qualitätssicherung. Es wird also nötig sein, ein dezentrales, global wirkendes Projekt anzulegen, das bündelnd und wegbereitend wirkt. Den Architekten sehen wir hier sowohl als praktischen Generalisten, der die Aufgabe der initialen Integration unterschiedlicher Teilbereiche übernimmt, als auch den Impuls gebenden Visionär, der die groben Projektziele skizziert.
VIPR und HKB
Virtual Institut for Planetary Research
Vor allem gilt, ohne das Verständnis komplexer Zusammenhänge ist ein Eingriff riskant und nicht selten kontraproduktiv. Dementsprechend sehen wir eine gründliche Untersuchung und Abstimmung der geplanten Handlungen als Vorbedingung. Das ist einer der Haupbestandteile des von uns entwickleten Projekts: Die Vernetzung und Koordination global verteilter Forschungen unter einem gemeinsamen Ziel. Wir werden es das Virtual Institut for Planetary Research [VIPR] nennen.
I. Das VIPR ist Vermittler
Das VIPR hat die Aufgabe, die plantenweit verteilten Forschungsprojekte und -gruppen miteinander zu vernetzen. Mit dem VIPR wird eine Dachorganisation geschaffen, die als Drehscheibe für Kommunikation dient und eine Zuständigkeit schafft. Desweiteren werden spezielle Funktionalitäten abrufbar sein, die bei der Organisation neuer Forschungsschwerpunkte weltweit unterstützen.
Obwohl sich die Naturwissenschaften, allen voran die Physik und Biologie, in den letzten Jahrzehnten als große Impuls- und Erkenntnisgeber erwiesen haben, dürfen die Forschungen nicht an den anderen Bereichen der menschlichen Kultur vorbei geführt werden. Im Gegenteil sehen wir eine Zusammenführung, eine Verknüpfung als kulturell wichtig und gegenseitig befruchtend. Die Tendenz der Spezialisierung in den einzelnen Disziplinen ist nötig, behindert aber ein Denken im größeren Zusammenhang, ein komprehensives Denken. Da Forschungen, Diskussionen und Erfahrungsaustausch auf hohem Niveau geschehen, und oft in eigenen Sprachcodes geführt werden, besteht die Gefahr der Isolation. Isolation der unterschiedlichen Disziplinen der Wissenschaften voneinander, und Isolation der Gesellschaft von modernen Erkenntnisständen. Das hat sowohl Gründe in fehlender Grundkenntnis, als auch im Abstraktionsgrad der Kommunikation. Dadurch entsteht leicht eine gesellschaftlich ablehnende Haltung, die auf Unverständniss und Angst fußt. Was nicht verstanden wird macht Angst.
Beispielsweise haben Erkenntnisse und Forschungsfortschritte in der Molekulargenetik zunehmend Einfluß auf Politik und Gesellschaft genommen. War es früher die Weltraumforschung, die auf Unverständnis stieß, da der gesellschaftliche Nutzen nicht erkenntlich war, ist es heute die sehr emotional geführte Diskussion um mögliche Eingriffe in das genetische Material. Oft scheint es, daß gemacht wird, was naturwissenschaftlich möglich ist, ohne eine moralische Einbindung. Das Bild der entfesselten und lebensbedrohenden Forschung zeichnet sich in der Boulevardpresse. Hier ist nicht nur die Philosopie als sinngebende und kritische Wissenschaft entscheidend gefordert. Die Diskussionen werden sauch geführt, nur scheinen Ergebnisstände nicht den Weg zu finden in Politik und den Alltag der Menschen. Dieser Punkt wird allzusehr aus den Augen verloren. Denn so schön es ist Kunst für die Kunst, oder Forschung für die Forschung zu betreiben, sollte der Mensch in seiner Gesamtheit als Ziel im Mittelpunkt stehen und eingebunden werden. Damit der Nutzen verständlich gemacht, und die Notwendigkeit der Umsetzung von unbequemen Erkenntnissen aus den Wissenschaften vermittelt werden kann.
II. Architektur im virtuellen Raum
Das VIPR ist digital. Ein virtueller Organismus mit wandelbaren Räumen, geformt aus Zahlen und Struktur. Es ist immer aktuell, nie vergangen, stets Jetzt. Seine Form liegt in der Funktion, nie wurde Gestaltung diesem Anspruch gerechter.
Warum planen wir nicht einfach ein normales Gebäude? Warum bilden wir einen Teil der Architektur in dem Virtuellen Raum ab?
Wie bereits geschildert, ist es die Aufgabe des VIPR weltweit zur Verfügung zu stehen. Das VIPR ist vergleichbar mit einer Idee, ähnlich einem Geist, der die virtuellen Räume bewohnt. Gestalt annimmt, wenn er gerufen wird. So vielfältig die Einsatzgebiete sind, in der diese Idee angewandt wird, so unterschiedlich ist die Formengebung, ist die Architektur die dadurch entsteht. Wenn es notwendig ist, enstehen Räume in der realen Welt. Oft aber genügt eine Tür zur virtuellen Welt, zu den imaginären Räumen des VIPR, in denen sich begegnet werden kann; in denen Daten Gestalten annehmen können, die in der realen Welt unmöglich sind. Zeitliche Abläufe sind steuerbar, die Gravitation ist außer Kraft gesetzt. Maßstäblichkeit wird zur Illusion, die Unendlichkeit liegt zwischen der Zahl 0 und 1, nicht im unendlich Großen.
Abgesehen von diesen poetischen Aspekten einer entfesselten, nur im Großen Raum der Wahrscheinlichkeiten möglichen Architektur, gibt es handfeste realpolitische Gründe, dieses Institut nicht auf diesem Globus zu bauen. Egal in welchem Land, und auf welchem Kontinent es stehen würde, wäre es in der Reichweite von lokalen Zwängen, wäre es korrumpierbar, wäre es angreifbar. So bleibt das Gedankengebäude formbar nur durch Argumente, außerhalb der Reichweite von physikalischer Macht.
Es ist unmöglich DAS Bild des VIPR zu zeichnen; Soll es mir Zugang zu einem Datensatz bereitstellen, wird es die Form meiner sensorischen Fähidkeiten und der zur Verfügung stehenden techischen Mitteln annehmen. Das geht von akustischem Dialog, über Tastatureingabe und Monitorausgabe, bis hin zu betretbaren Caves (Räume, deren Wände mit Hinterwandprojektion beliebige Umgebungen simulieren). Oder Datenabbilder die auf die Netzhaut projeziert werden, und damit eine realen Raumeindruck schaffen können.
Ob es in absehbarer Zukunft möglich sein wird, die rezeptorischen Fähigkeiten des menschlichen Körpers zu umgehen, indem der Weg der zu vermittelnden Daten an den aufnehmenden Sinnen wie Sehen, Hören Tasten und Schmecken umgangen werden kann, um direkten Kontakt mit dem infomationsverarbeitenden Organ, dem Gehirn aufzunehmen, ist heute noch Spekulation. Die Forschung in diese Richtung wird betrieben, nicht zuletzt, um z.B. gehörlosen Menschen wieder Zugang zu akustischem Input zu ermöglichen.
III. Globalisierung und Individuum
Ein großer Impulsgeber für die Entwicklung simulierter Erlebnisräume ist die Unterhaltungsindustrie. Allen voran der Spielemarkt mit immer perfekter simulierten, drei-dimensionalen Welten. Nicht unerwähnt bleiben soll jedoch der Hinweis auf das Militär als interessierten Abnehmer für digital erweiterte sensorische Fähigkeiten. Das führt uns zu dem Thema der an sich wertfreien, aber verantwortungsbelasteten Forschung. Das Streben nach Erkenntniss ist nicht einzudämmen. Probleme und Rätsel wollen und werden gelöst werden. Forschung kann in unserer Zeit nicht mehr verboten werden, die Exekutive für eine theoretisch vorstellbare, globale Legislative fehlt. Zur Zeit erscheint kein anderer Weg möglich, als Apelle an die Selbstkontrolle und Eigenverantwortlichkeit. Ethische Regeln zum Umgang mit Foschungsergebnissen sind zu entwicklen und zu kommunizieren. Auf die Einhaltung kann nur lokal Einfluß genommen werden. Die dadurch entstehenden wirtschaflichen Schieflagen sind nötigenfalls hinzunehmen. Es scheint auch hier langfristig nur der Weg gangbar zu sein, ein ethisches Klima zu schaffen, das so stark regulierend wirkt, daß ein unethisches Handeln gesellschaftlich nicht mehr belohnt wird.
Die ethischen Regeln, nach denen wir uns richten wollen, sind zu entwicklen. Die Diskussion über Menschenpflichten läuft bereits seit Jahren, von der Öffentlichkeit nur begrenzt bis nicht wahrgenommen. Es ist schwer verständlich, warum die Öffentlichkeit in diesen wichtigen Prozeß nicht frühzeitig eingebunden wird. Der Sinn dieser entlokalisierten, kulturell übergreifenden Regeln ist die Umsetzung in breitem, globalen Umfang. Ausgehend von Hans Küngs initialisiertem Projekt Weltethos, werden sogennante Menschenpflichten u.a. von den Menschenrechten abgeleitet. Als Basis dienen weiterhin die Grundaussagen der Weltreligionen und -philosophien. Die Religion als Sinnstiftende Instanz liefert Hans Küng die erste Vorlage für die Ableitung der Menschenpflichten. Hans Küng hat damit eine Entwicklung von modernen Entscheidungshilfen in Gang gesetzt, um dem ethisch-moralischen Auflösungsprozeß effizienzorientierter globaler Mechanismen entgegenzuwirken. Er begreift, daß die Globalisierung mit ihren vielfältigen Alternativen zur Beliebigkeit führen kann. Eine entgrenzter Lebensstil kann sich leicht der Selbstverpflichtung mangels richtender Instanz entziehen. Der Versuch Küngs die Menschenpflichten abzuleiten von religiösen Grundsätzen ist verständlich, aber in ihren Formulierungen zu kurz gefasst. Der moderne, reflektive Mensch kann in ihnen schnell den historischen Ballast erkennen und fordert zu Recht seine Mündigkeit ein, die Forderungen wie ‘Du sollst nicht töten!’ zu ‘Ich will nicht töten’ umformuliert.
Unverständlicherweise wird diese Diskussion ohne die Beteiligung und Anhörung derer geführt, die sich diese Pflichten zu eigen machen sollen. Auch hier sehen wir eine Möglichkeit des VIPR im Zusammenspiel mit der IPFs, isolierte Diskussionen von Expertenrunden in die Öffentlichkeit zu transportieren. Eine Pflicht, deren Entwicklung ich verfolgt, oder an der ich sogar beteiligt war, wird wesentlich selbstverständlicher, als eine als Endergebnis präsentierte. Die IPFs mit ihren Schnittstellenfunktionen bieten damit die großen Chance, einen vielfältigen und tatsächlich globalen Disput zu führen, der integriert, nicht ausgrenzt. Die Globalisierung der Kommunikation bietet eine einmalige Chance dafür.
Human Knowledge Base
Es ist wichtig, Kommunikationskanäle zu allen Gesellschaftschichten zu finden. Niederschwellige Informationsangebote, die in verständlicher und vernünftiger Form vermittelt werden, sind nötig. Das ist ein weiter Schwerpunkt des von uns entwickelten Projekts: die Sammlung und Aufbereitung von Informationen. Und im nächsten Schritt die Moderation und Vermittlung von Wissen. Ziel ist es, eine das Wissen der Menschheit umfassende Bibliothek zu schaffen, die Human Knowledge Base [HKB]. Die HKB stellt Daten grundsätzlich frei zur Verfügung, ohne Zugangssperre und ohne Lizenz. Damit soll u.a. der zunehmenden Tendenz zur Kommerzialisierung von Information entgegen gewirkt werden. Die Kontrolle über den Zugang zu Information ist ein politisches, und im weiteren ein wirtschaftliches Machtmittel. Damit kann ein Status Quo aufrecht erhalten werden, der dem wichtigen Grundgedanken der Freiheit zur Information entgegen wirkt. Wissen ist Macht, und die Macht über Wissen ist die Macht über die Zukunft der Menschheit.
Lizenzen auf Forschungsergebnisse verhindern z.B. die Entwicklung kostengünstiger Medikamente. Marktwirtschaftliche Mechanismen dienen als Rechtfertigung für die zynische Verweigerung der Weitergabe von lebensrettenden und leidlindernden Mitteln. Lobbies schützen ihre Märkte. Damit befinden wir uns mitten in der Kapitalwirtschaft, im globalen Kapitalismus, dem siegreichen Wirtschaftsstil. Dabei fordern wir keine Revolution! Vielmehr wollen wir den Impuls zur Evolution, zur Weiterentwicklung einer Geisteshaltung geben, die erkennt, daß der sozial und moralisch blinde Wirtschaftsstil der Gegenwart einer Minderheit keinen Luxus in Sicherheit geben kann. Die Reaktion auf Ereignisse in jüngster Vergangenheit, der 11. September hatte seinen ersten Jahrestag, ist der Versuch, Probleme gewaltsam aus der Welt zu schaffen. In irrationaler Weise wird versucht, mit kriegerischen Maßnahmen und wirtschaftlichem Druck ein Zustand zu schaffen, der Schutz vor den Benachteiligten verspricht und Frieden genannt wird. Es werden nicht die Ursachen angegangen, sondern die Symptome bekämpft.
Dem entgegen wollen wir ein universales Angebot zur Information über Zusammenhänge bieten. Einen informierten Menschen kann man nur schlecht in die Irre führen. Wer sich selbst in einen großen Zusammenhang stellen kann, und damit die langfristigen Auswirkungen seines Handelns begreift, kann vernünftig handeln. Kommunikation ist die Grundlage für gegenseitiges Verstehen.
So wie das VIPR mit seinen IPFs niederschwelligen Zugang und damit Kontrolle über Informationsnetzwerke bietet, erlaubt die HKB Zugang zu Information und damit die Chance zur Emanzipation.
I. Standort und Organisation der HKB
Es soll eine ortsungebundene, frei zugängliche Bibliothek des Menschheitswissens aufgebaut werden. Mit ortsungebunden ist gemeint, daß es keinen einmaligen Standort gibt. Es wird keinen Ort geben, der auf einer geographischen Landkarte markiert werden kann, und von dem behauptet werden kann, hier steht diese Bibliothek.
Um die große Wissensmenge aufnehmen zu können, wird diese Bibliothek nur z. T. im realen Raum realisiert. Natürlich muß es ein real existierendes Medium geben, auf dem die Daten und die strukturbildenden Regeln gespeichert werden. Ebenso muß der Zugang zu den Informationen realisiert werden. [siehe IPF, J. Haase]
Wie funktioniert eine Bibliothek? Woraus besteht eine Bibliothek?
Eine Bibliothek ist ein Aufbewahrungsort für eine systematisch geordnete Sammlung von Büchern [Duden, Band 5]. Außerdem gibt es einen Bibliothekar, mit der Aufgabe, diese Bibliothek zu verwalten. Das beinhaltet sowohl die Pflege, als auch die Katalogisierung der Buchbestände. Abhängig vom Grad der Spezialisierung, oder einfacher gesagt, der Art der Bibliothek muß der Bestand in regelmäßigen Abständen aktualisiert werden. Die Aktualität ist nur ein Qualitätsmerkmal von vielen. Aktualität bedeutet auch nicht, daß jahrealte Informationen ihre Gültigkeit verloren haben. Sondern soll sicherstellen, daß die gesamte Bandbreite der zum Zeitpunkt der Recherche angeforderten Daten, zur Verfügung steht.
II. Kategorisierung der Eingangsdaten
Weitaus schwieriger ist die Bewertung der gesammelten Informationen. Nach welchen Kriterien nimmt der Verwalter ein Buch auf, oder lehnt es ab? Stellen wir uns eine wissenschaftliche Büchersammlung vor. Wie kann er beurteilen, ob die Informationen ‘richtig’ sind, den aktuellen Stand der Forschung wiederspiegeln? Oder nehmen wir eine Sammlung von Poesie, Kunstbänden oder Musiknoten. Hier stellt sich die sehr schwierige, wenn nicht unlösbare Frage nach der Güte der vorliegenden schönen Künste. Eine Gratwanderung, nicht nur abhängig vom Zeitgeist. Da kein einzelner Mensch in der Lage sein wird, alle Themengebiete als Experte bewerten zu können, sind hier Fachgremien gefordert. Zusammenschlüsse von qualifizierten Fachleuten, die eine Klassifizierung vornehmen können.
Auf das Wesentliche reduziert, besteht eine Bibliothek aus einer Ansammlung von geordneten Daten. Entscheidend für die Nützlichkeit der Bibliothek ist die Organisation der Datenbestände, die die Auffindbarkeit der gesuchten Information ermöglicht. Eine Bibliothek im klassischen Sinne hat eine Kartei, in der sämtliche Werke nach einfachsten Kriterien katalogisiert sind. Die Kataloge können unterschiedlich geordnet sein, z.B. in der Reihenfolge nach den Verfassern, Titel und Erscheinungsjahr der Werke. Z.T. werden auch mehrere Kataloge angeboten, die eine Suche in unterschiedliche Sortierungen der Bestände erlauben.
III. Moderne Karteikästen und Recherche im digitalen Textbestand
Was sind die zur Zeit möglichen Hilfsmittel zur Unterstützung bei der Recherche, können wir die Einschränkungen der Katalogindizes sinnvoll ergänzen?
Vor der Zeit der digitalisierten Texte war es über den Titel hinaus nicht möglich, mehr als maximal eine Kurzbeschreibung des indexierten Werkes im Katalog zu finden. Ein Katalog oder besser besagt ein Verzeichnis der Datenbestände bietet lediglich eine schnelle Übersicht bei der gezielten, vorinformierten Suche. Er kann jedoch nur wenig Hinweise auf den Inhalt der Texte geben. Der Erfolg oder die Qualität der Treffer bei der Suche verbessert sich im Laufe der Recherche, da ich mit der Zeit z.B. die Autoren kenne, oder die Art der Titel, die die Themen behandeln, die mich interessieren.
Volltextsuche
Eine digital vorliegende Texstammlung ist in der Form der sogenannten Volltextsuche nach logisch verknüpfbaren Stichworten durchsuchbar. Mit logisch ist hier eine Verknüpfung der Suchbegriffe mit und oder oder gemeint. Darüberhinaus ist eine Gewichtung auf einen oder mehrere Begriff möglich mit z.B. einem vorangestellten + oder -, oder ein Ausschluß mit nicht.
Die Anzahl und Qualität der Treffer ist stark abhängig von der passend formulierten Suchanfrage. Auf der Suche nach einem Rezept für einen Apfelkuchen liefert mir der Suchbegriff Apfel sicherlich auch einen Treffer, aber je nach Umfang der Bibliothek ist das Rezept verborgen in den mehreren tausend gefundenen Textstellen, in der der Begriff Apfel vorkommt. Hingegen würde eine Suche mit der Anfrage Apfelkuchen und Rezept die Trefferanzahl erheblich reduzieren. Damit kommen wir zu einem weiteren wichtigen Punkt, dem Sortieren oder Ranking der Treffer.
Welcher der 200 Treffer soll an erster Stelle der Trefferliste stehen? Da stellt sich das schwierige Problem der Trefferbewertung. Was macht die Qualität eines Treffers aus? Bislang ist lediglich eine quantitative Auswertung nach willkürlichen Regeln möglich, z.B. die Häufigkeit des Vorkommens des gesuchten Wortes. Das ist die größte Schwäche der Volltextsuche, sie ist eine ‘dumme’ Suche. Ich will nicht 100.000 Treffer oder möglichst viele Textstellen angeboten bekommen, sondern auf den einen bzw. den hilfreichsten, erhellendsten Text verwiesen werden.
Jetzt wird die paradoxe Situation erkennbar, daß der Erfolg der Suche von dem Geschick des Suchenden im Umgang mit der zur Verfügung stehenden Technik abhängt. Weiterführende Informationen erhält nur, wer die Suchanfrage dem Sachbestand und den Regeln des Suchverfahrens entsprechend stellt. Dabei geht es nicht um die triviale Feststellung, daß die Güte der Antwort von der Qualität der Frage, und das Verständnis derselben vom Wissenstand und Intellekt des Fragenden abhängt. Vielmehr sei darauf hingewiesen, daß auf Grund von technischen Voraussetzungen einerseits der Datenpool beinahe beliebig groß ausgeweitet werden kann, daß aber das Auffinden von nützlicher Information im Sinne des Suchenden noch in den Kinderschuhen steckt.
Topic Maps, ISO 13250
Eine weitere, interessante Art der Datenaufbereitung sind Topic Maps. Topic Maps sind seit 1999 ein ISO Standard [ISO/IEC-13250:1999] der neue Erschließungs-möglichkeiten bietet. Betitelt als GPS des Informationsuniversums vereinfacht er die Strukturierung und damit die zielgerichtete Suche und Navigation in großen Datenmengen. Während eine Volltextsuche nur die direkten Inhalte der Informationsquellen zu Grunde legen kann, werten Topic Maps Metastrukturen über deren eigentlichen Inhalte aus. Somit ist aus der Suche in Informationsmengen ein Navigieren in Wissensstrukturen geworden. Denn mit Topic Maps entsteht ein graphisch darstellbares, strukturiertes Netzwerk an Verweisen, verknüpft mit einer Sammlung von Informationsobjekten. Jeder Knoten im Netzwerk repräsentiert ein Topic [Topic = Thema, Überschrift]. Verweise, die die Knoten verbinden, stehen für Beziehungen (Assoziationen) zwischen Topics. Verknüpfungen, die die Knoten mit den Informationsobjekten aus dem Infopool verbinden, markieren die eigentlichen Informationsquellen zum Topic.
Topic Maps verwenden eine semantische Aufbereitung von Daten. Semantik = Teilgebiet der Linguistik, das sich mit den Bedeutungen sprachlicher Zeichen und Zeichenfolgen befasst [Duden, Band 5].
Die semantische Verknüpfung von Datensätzen, stellt Bedeutungszusammenhänge zwischen Daten her. Daten werden nicht z.B. alphabetisch geordnet, sondern nach verwandten Bedeutungen. Ein Beispiel: auf der Suche nach einem Apfel benutze ich das Wort Apfel. Ohne zu wissen, wonach gesucht wird, kann angenommen werden, daß das Stichwort Auto, obwohl es dem Alphabet nach näher an dem Wort Apfel ist, weniger hilfreich ist, als Antworten, die das Wort Birne, Kuchen oder Fallobst enthalten.
Begriffe werden also nach ihren Meta-Informationen gruppiert. Der Apfel gehört zu der Gruppe Obst und ist über diese Gemeinsamkeit mit dem Obst Birne verknüpft. Darüberhinaus gibt es zahlreiche weitere Bedeutungsebenen, die zunehmend abstrakter werden und damit großräumigere Zusammenhänge erlauben. Beim Begriff Apfel bleibend, bietet uns die weitere Verfolgung von Abstraktionslinien eine mögliche Anwendung der semantischen Datenverknüpfung. Entlang dieser Linien ist es möglich, die Bedeutungsräume verwandter Begriffe zu durchschreiten, und uns der Lösung unseres Problems intuitiv zu nähern. Ein Theologe, der seine Suche mit dem Begriff Apfel beginnt, landet sicherlich früher oder später beim biblischen Sündenfall. Der hungrige Hobbykoch, auf der Suche nach einem leckeren Dessert, wird möglicherweise beim Apfelmus oder bei Birne Helene landen.
Der Suchende bewegt sich Schritt für Schritt vorwärts. Der Initialbegriff bietet sowohl Zugang zu Metaebenen, die sowohl zu weiterer Abstraktion als auch zu stärkerer Präzision führen. Ausgehend vom Apfel kann ich mich in Richtung Apfelmus, und damit in Richtung Rezepte bewegen, oder in die Richtung Eva und damit die christliche Mythologie wählen.
IV. Strategien zur WissensvermittlungUm unsere Vorstellung einer besseren Informationsweitergabe zu verdeutlichen möchte ich eine übliche Suchsituation skizzieren: Am Anfang einer Suche steht ein grundsätzliches Interesse nach Information. Die Problemstellung ist oft unklar, diffus formuliert und erst in der fortgeschrittenen Untersuchung differenzierbar. Je allgemeiner die Fragestellung, umso schwieriger wird es, eine Antwort zu finden. Umgekehrt gilt, je präziser die Frage, desto höher ist die Chance, eine Antwort zu finden. Hilfestellung ist also bereits bei der Formulierung der Frage zu geben.
Für gewöhnlich stößt das gewonnene Wissen weitere Türen auf, neue Fragen stehen im Raum. Auch wenn das durchschlendern der Informationsräume ein lustvolles Erlebnis sein kann, steht häufig der Wunsch im Vordergrund, zügig Probleme zu lösen. Ein stunden- oder wochenlanges Studium ist, leider, ein Luxus, den sich nur eine Minderheit leisten kann und will. Wohl wissend, daß schnell konsumierte Informationen selten den Weg in das Langzeitgedächtnis finden, sehen wir es durchaus als sinnvoll an, die Informationen dem subjektiven Vermögen und Kommunikationskanälen des Fragenden aufzubereiten. Nennen wir es die begleitende Wissensvermittlung, personalisierbar und moderiert.
Begleitende Wissensvermittlung
Mit der semantischen Aufbereitung von Datensätzen sind wir bereits einen Schritt weiter in die Richtung intelligenter Wissensdarreichung gegangen. Weiteres Potential steckt in der Assistenz, der Begleitung des Suchenden in der Art eines Gesprächspartners. Ein Berater, der bereits im Vorfeld der Recherche, Hilfestellung bei der gemeinsamen Formulierung der Aufgabenstellung leistet. Im vorbereitenden Dialog kann bereits auf verwandte Themen hingewiesen und in die Suche mit aufgenommen werden. Vor allem aber wird der Suchende damit entscheidend entlastet von Vorkenntnissen technischer oder inhaltlicher Art.
Ein Ansprechpartner, der auf das gesammelte Wissen der HKB zugreifen kann, mit ausbaufähigen kommunikativen Fähigkeiten. Vorstellbar ist ein langfristig begleitender Gesprächspartner, der selbstlernend, auf die persönlichen Interessen des Suchenden reagiert. Dabei zunehmend die Rolle eines idealen Beraters, beliebige Erscheinungsformen annehmend. Wahrscheinlich anthropomorh gewünscht, aber auch als sprechender Schuh vorstellbar. Dem Suchenden wird ein hochentwickeltes Interface zur Verfügung gestellt, das die vorherrschende Eingabe per Tastatur ergänzt. Es darf nicht mehr nötig sein, daß nur technisch spezialisierte Fachleute den Zugang zu Informationsnetzwerken nutzen können. Der Computer kann sich zum größten Hinderniss entwickeln, dabei sollte er Werkzeug sein. Es ist ja auch nicht zu akzeptabel, daß nur Radio- und Elektrotechniker den Fernseher zu bedienen in der Lage sind.
Es ist ein weites Feld, mit vielen Möglichkeiten und Hindernissen. Die anfangs noch vorwiegend von Menschen übernommen Funktionen werden im Laufe der Entwicklung immer stärker Unterstützung durch die EDV erhaltem. Wiederkehrende Aufgaben sind im Kleinen am einfachsten als Computerprogramme abzubilden, und geben damit Freiraum für komplexere Abläufe. Immer kompliziertere Prozesse können, womöglich durch selbstlernende Programme, assistiert oder übernommen werden. Dabei ist eine ausgewogene Ballance zu finden zwischen selbständig handelnden Programmen und menschlicher Intelligenz. Wirksame Kontrollmechanismen sind zu entwicklen und anzuwenden. Auch hier ist viel Aufklärungsarbeit zu leisten, um diffuse Ängste vor Künstlicher Intelligenz [KI] abzubauen. Filme, Buch- und Presseautoren haben in der Vergangenheit viel dazu beigetragen, daß der KI ablehnend begegnet wird. Einerseits hat die Begeisterung von KI-Pionieren Glauben gemacht, die Übernahme der Welt durch Denkende Computer und damit die Lösung aller Probleme stehe bevor. Andererseits haben moderne Filme wie Matrix oder Klassiker wie 2001, überzeichnete Warnungen vor dem blinden Vertrauen in EDV gesteuerte Lebensräume bebildert.
Die Wahrheit liegt, wie so oft, dazwischen. Die Möglichkeiten und Gefahren werden mittlerweile von der Fachwelt wesentlich realistischer eingeschätzt. Schließlich läßt sich sagen, daß wir mit der Anwendung moderner Kommunikationsmittel und der Unterstüzung durch die Informationstechnologie den Problemen unserer Gegenwart effektiv begegnen können. Die Mechanismen der Globalisierung sind in vieler Richtung instrumentierbar, wir müssen nur einen Anfang wagen und den gesamten Menschen in den Mittelpunkt unserer Bemühungen stellen. Wir hoffen mit diesem Projekt gezeigt zu haben, daß eine Komprehensive Architektur einen nützlichen Beitrag für unseren Planeten leisten kann.
Literaturverzeichnis
Offline
Open Source: kurz & gut, O’Reilly & Associates, Inc., 1999, ISBN 3-89721-22-6
Computermacht und Gesellschaft, Joseph Weizenbaum, Suhrkamp Verlag, 2001, ISBN 3-518-29155-6
Wissenschaft und Weltethos, Herausgeber Hans Küng und Karl-Josef Kuschel, Piper Verlag, 2001, ISBN 3-492-23247-7
Die Physik der Unsterblichkeit, Frank J. Tipler, Piper Verlag, 2001, ISBN 3-492-23459-3
Empire, Michael Hardt und Antonio Negri, Campus Verlag, 2002, ISBN 3-593-36994-X
Krise der Philosophie, Dagmar de Sauvage, Rowohlts Enzyklopädie im Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2002, ISBN 3-499-55646-4
E=mc² ~ Einführung in die Relativitätstheorie, Thomas Bührke, Deutscher Taschenbuch Verlag, 2000, ISBN 3-423-33041-4
Der Teil und das Ganze, Werner Heisenberg, Piper Verlag, 2001, ISBN 3-492-22297-8
Fake ~ Leben in künstlichen Welten, Manfred Geier, Rowohlts Enzyklopädie im Rowohlt Taschenbuch Verlag, 1999, ISBN 3-499-55634-4
Philosophie des Abendlandes ~ Ihr Zusammenhang mit der politischen und der sozialen Entwicklung, Bertrand Russel, GLB Parkland, 1999, ISBN 3-8805-9965-3
Online
http://www.google.com




